Meine ersten Tage in Wort und Bild

Das „Hartmännchen“ – so nannten mich die Kinderkrankenschwestern im Kinderzimmer des Bürgerhospitals. Sicher nicht zuletzt, weil ja auf dem Schildchen an meinem Wagen erst nur „Hartmann“ stand. Irgendwo in irgendwelchen Formularen oder Arztberichten hat Mama auch „Herr Hartmann (Säugling)“ gelesen – fand ich auch ziemlich erfrischend.

Im Krankenhaus hat es Mama und mich nicht lange gehalten, auch wenn Papa das irgendwie nicht so gut fand und immer wieder sagte, Mama solle sich doch mal ein paar Tage ordentlich ausruhen. Unser Zimmer war eigentlich wirklich nett, die Schwestern auch – daran hat’s also nicht gelegen. Und das Essen fand Mama auch nicht so übel. Sie hat’s mir verraten: Seit Opa Gerhards schlimmer Krankheit und den damaligen Krankenhaus-Erfahrungen hält sie nichts länger in einem Krankenhaus, als irgend nötig. So war sie auch sehr froh, dass ich gleich so super fit war. Bei der Abschlussuntersuchung durch den Kinderarzt ist auch nichts weiter auffällig gewesen außer meiner einen Hüfte, die noch nicht so ganz richtig ausgereift ist. Aber hey, ich bin noch ein Baby! Das hat doch noch ein paar Tage Zeit, oder?
Meine Tante Ute hat mir übrigens in alter Tradition Blut für die vielen Tests auf mögliche Stoffwechselerkrankungen und wegen des Billirubin-Werts abgenommen (sie fand mich ein bisschen gelb – wieso auch immer. Gelbsucht hatte ich jedenfalls echt keine). Und sie ist damit echt ein bisschen ins Schwitzen gekommen, weil ich so obercool war. Sie hat sich zwischenzeitlich sogar gewünscht, dass ich mal ein bisschen böse werde und ordentlich motze, damit meine Adern mal ein bisschen dicker werden, aber ich habe bei jedem der vier Pikse nur sehr kurz gesagt, dass ich das nicht sehr nett finde. Sie hat’s ja auch verstanden.
Na, was ich jedenfalls sagen wollte: Nach drei Tagen, also schon am 19. Juni, durften wir nach Hause. Bei Mama war alles okay, bei mir war alles okay, fehlte nur noch Papa, um uns abzuholen. Der ließ sich Zeit. Das lag aber offenbar daran, dass er verzweifelt den ganzen Vormittag über versucht hat, Helium und Ballons zu besorgen, um uns einen ähnlichen Empfang zu bereiten wie vor etwas über drei Jahren meiner Schwester Novalee. War aber gar nicht nötig, außerdem hätte ich ja nix davon gehabt, weil ich da noch nicht so gut sehen konnte, und in der Hand konnte ich die Ballons sowieso nicht halten. Papa, mach das doch mal, wenn ich ein bisschen älter bin – dann freue ich mich sicher ganz dolle drüber! Und meine Schwestern noch dazu!

Das war schon komisch für die beiden, mit ihrer kostbaren Fracht (MIR!) nach Hause zu fahren. Aber ich fand‘s alles in Ordnung. Hauptsache nah bei Mama, ordentlich Milch (und davon gibt’s hier jede Menge!) und nicht so dolle drücken und schuckeln. Naja. Der letzte Punkt – nun, Ihr wisst ja, dass ich drei Schwestern habe. Und Mädels haben’s irgendwie immer mit Babys. Und ich bin ja eins. Also, sie sind wirklich sehr lieb mit mir, von Anfang an. Aber wenn sie so alle drei in Mamas und Papas Bett um mich herumsitzen, da wird’s mir schon manchmal ein bisschen eng. Und bang. Wenn sie sich beispielsweise wieder darüber streiten, wer mich nun auf den Schoß nehmen darf. Und neben wem Mama heute beim Essen sitzt – mit dem Baby natürlich. Und einmal musste ich auch wirklich laut protestieren, weil ich mich plötzlich auf den Bauch gerollt wiederfand… Novalee war, glaube ich, auch ziemlich schuldbewusst, als Mama und Papa ihr nochmal deutlich gemacht haben, dass sie mich nicht hochheben, rumrollen oder mir etwas in den Mund stecken soll. Mal sehen, wie das so noch weitergeht.

Papa habe ich jedenfalls erstmal gezeigt, dass das diesmal alles ein bisschen anders läuft als „sonst“ – mit meinem coolen „Gießkännchen-Trick“, wie es die Kinderkrankenschwester genannt hat. Zwei Mal habe ich ihn in den ersten Tagen beim Windelwechseln im hohen Bogen angepipit – war auch gerade alles so schön entspannt unter der Wärmelampe. Und Zuhause hab‘ ich das dann auch bei Mama probiert, und da hat es am Anfang auch herrlich geklappt. Einmal habe ich sie tatsächlich von oben geduscht: Da war meine Hebamme Kira da und hat nicht so schnell reagiert wie ich, als Mama sich gebückt hat, um etwas aus der Wickelkommode unter mir herauszuholen ;o)

Na, und dann waren da ganz viele Leute da am Anfang, die mich neugierig beguckt haben. Denen hat Mama übrigens auch immer ganz stolz die schönen Fotos gezeigt, die die Babyfotografin im Krankenhaus an meinem zweiten Lebenstag von mir gemacht hat. Die habe ich übrigens auch total verzaubert. Als sie Mama eine Woche später die Fotos gezeigt hat, war sie selbst ganz überrascht, wie viele Fotos sie von mir gemacht hat! Papa wollte sie eigentlich noch runterhandeln und hat an der Bildqualität rumgemäkelt, aber Mama und Oma haben das dann so erledigt, wie Opa Gerhard und Uropa Horst das wohl gemacht hätten, und so könnt Ihr Euch die Bilder jetzt auch anschauen:

Auf der Website der Babyfotografen (der Zugangscode lautet 00834096-daj8a) kannst Du die Bilder übrigens auch alle in Farbe und größer anschauen und auch Bilder von mir bestellen - aber da Mama und Papa alle Bilder hier auf CD haben, wäre es wohl günstiger, wenn Du denen einfach sagst, was Du haben möchtest, um mich jederzeit auch von Zuhause aus entzückt anhimmeln zu können.

Jedenfalls hat Mama dann auch immer, wenn mich Nachbarn und Freunde hier besucht haben, die große Leinwand mit meinem Bild unter die Leinwand von Novalee gehalten, auf der sie auch von den Babyfotografen an ihrem ersten Tag abgelichtet wurde. Und da sind wirklich immer alle platt, weil wir uns so unglaublich ähnlich sehen. Mama meinte schon, eigenlich hätten wir uns die Fotosession sparen und die alten Fotos von Novalee einfach nochmal nehmen können…

Es vergeht kein Tag, an dem Mama mir nicht sagt, dass ich so süß bin. Papa meint schon, ich werde mal ein richtiges Mamasöhnchen. Ich glaube, das wäre Mamas Graus. Na, muss ich sie in Zukunft eben etwas subtiler um den Finger wickeln. By the way: Sie ist schon ganz gespannt auf mein erstes Lächeln…

Nun, was soll ich sagen? Ich fühle mich ganz wohl hier, Tragen im Tragetuch finde ich sehr okay, Autofahren geht auch meistens ganz gut, Pupsen kann ich wie ein Weltmeister – aber es tut auch schon immer mal ganz schön weh im Bauch (richtig mies war das, als Mama Rotkraut gegessen hat und ihr erst am nächsten Morgen siedendheiß eingefallen ist, dass das auch Kohl ist…).
Gebadet habe ich auch schon mehrfach, mal mit Papa zusammen in der großen Wanne, mal allein in meiner kleinen. Eingeölt werden ist auch prima, da hilft Novalee Mama gern, und das lasse ich mir auch gefallen.
Es geht mir also so richtig gut hier. Ihr könnt ja auch mal vorbeikommen, damit wir uns mal kennenlernen. Wie sieht’s aus?



                                                                                                                        zurŁck zum Spiel