Eigentlich wollte meine Mama ja noch gar nicht. Mein errechneter Geburtstermin stand zwar unmittelbar bevor. Aber ich gab noch überhaupt keine Signale zum Auszug. Und auch ansonsten ging es Mama richtig gut, wie eigentlich die gesamte Schwangerschaft über, sagt sie. Nach den publikumswirksamen Auftritten meiner beiden großen Schwestern wollte keiner mehr einen Gedanken an eine "natürliche" Geburt verschwenden (selbst Mama und Papa haben eingesehen, dass das für sie so offenbar nicht geplant ist). Und so war schon lange vor meinem Geburtstag klar, dass auch ich per Sektio das Licht der Welt erblicken sollte. Aber stur ist sie ja schon, meine Mama. Und so hat sie ihrer Familie und dem Prof. Dr. Bahlmann aus dem Bürgerhospital abgerungen, dass es zumindest keinen "geplanten" Kaiserschnitt geben wird, sondern dass ich geholt werde, wenn ich oder das Schicksal, die Natur oder wer auch immer per Wehen Bescheid gibt, dass es jetzt soweit ist.

Das ist der Herr

Das ist der Herr Bahlmann. Wenn Ihr mehr
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Aber stur, das kann ich auch. Und vor allem quer: In der Nacht vom 08. auf den 09. Februar habe ich ordentlich Party gemacht in Mamas Bauch. Was ich eigentlich gesucht habe, weil ich gar nicht mehr, und auch nicht, ob ich es gefunden habe. Was ich aber gefunden habe, war eine neue, äußerst bequeme Position. Als meine Mama beim nächsten Besuch der Hebamme zwei Tage darauf witzelte, ich habe so in ihrem Bauch rumort, sie glaube, ich liege jetzt quer, lächelten meine Hebamme, Sonja Messer aus Langenselbold, noch. Als sie aber Mamas Bauch dann abtastete, war sie denn doch verblüfft. Genau das war passiert: Nachdem ich nun über Monate in Startposition gelegen hatte, lag ich nun wirklich quer in Mamas Bauch (Mama sagte später, ich habe wohl noch vor meiner Geburt zeigen wollen, dass ich zu ihnen gehöre: noch so ein Querkopp), Kopf links, Popo rechts, Arme und Beine in Richtung Mamas Wirbelsäule. Fand ich gut.

Das fand dann aber weder meine Hebamme noch Mamas Frauenarzt, der das erst weitere fünf Tage später erfuhr, wirklich witzig, weil damit im Fall eines vorzeitigen Blasensprungs das gleiche Problem wie bei Nimué hätte entstehen können. Und davon hatten nun wirklich alle genug. Also machten Mama und Papa für Dienstag einen Termin im Bürgerhospital aus (denn nachdem Nayeli und Nimué ungeplant, aber sehr glücklich dort zur Welt gekommen sind und Mama und Papa sich zu jeder Zeit gut dort aufgehoben gefühlt haben, war es für sie klar, dass ich auch dort geboren werden sollte). Abends gingen sie nochmal ins Kino, und am nächsten Morgen fuhren wir dann nach Frankfurt.

Das ist das Frankfurter Bürgerhospital.
Die sind auch online!

Die Ärzte habe ich mit meiner Lage auch etwas überrascht. Jedenfalls waren sie der Ansicht, dass es jetzt Zeit ist, so oder so, und ich jetzt auch nicht weiter gefragt werde. Mein Geburtstermin wurde dann für den nächsten Tag angesetzt (übrigens nur ein Tag vor dem errechneten Termin), und das war Mittwoch, der 18. Februar 2009. Weil ja Winter war und die Wetterlage in den letzten Tagen immer wieder für glatte Straßen gesorgt hatte (und in der kommenden Nacht sollte es bei -15°C schneien), trug Papa Sorge dafür, dass Mama gleich aufgenommen wurde und nicht noch einmal mit nach Hause fuhr, auch wenn sie das nur grummelnd nach Papas deutlichem Hinweis auf Sachen wie Verstand und Verantwortung akzeptierte.

So habe ich meine letzte Nacht in Mamas Bauch schon im Krankenhaus verbracht, und ich habe Mama angemerkt, dass sie gerade gar nicht so cool ist, wie sonst. Und irgendwie konnte sie auch nicht so richtig gut schlafen. Jedenfalls waren wir schon wach, als die erste Schwester früh morgens ins Zimmer kam. Um viertel nach sieben Uhr zu nachtschlafender Zeit ging Mama zum letzten CTG rüber in den Kreissaal. Und das muss wirklich ziemlich komisch für sie gewesen sein: Während des CTG nebenan die letzten Presswehen einer werdenden Mutter und der erste Schrei ihres Kindes, in ihr keine Regung und das Wissen darum, dass ich in einer Stunde auf ihrem Bauch liegen werde...

Eigentlich sollten Mama und ich um 9.30 Uhr dran sein. Aber als Mama wieder zurück im Zimmer war, wurde ihr eröffnet, dass sie an die erste Stelle der OP-Liste gerückt worden sei und es jetzt gleich losgehe. Während Mama die Schwestern, die sie OP-fein machten, beständig beschwor, dass der Kindsvater unterwegs sei und es ohne ihn nicht losgehen könne, war Papa tatsächlich - aber relativ stressfrei - auf dem Weg. Und er kam exakt in dem Moment vor unserem Zimmer an, in dem die Schwestern meine lamentierende Mama im Bett aus dem Zimmer schoben. Da war er aber überrascht - und Mama war ziemlich erleichtert.

Im OP angekommen bekam Mama ihre Betäubung. Dann wurden wir in den eigentlichen Operationsraum gefahren, in dem Papa und Herr Bahlmann schon auf uns warteten. Und dann kam der Teil, den ich wenig witzig fand: Plötzlich war alles ganz fürchterlich um mich herum. Ich wusste weder, wieso das so war, noch wusste ich, dass der Grund für mein fürcherliches Gefühl der war, dass es saukalt war in dem OP, extrem laut und fies hell. Und dann wird man dann auch noch so unsanft angepackt und hochgehalten! Wie sollte ich denn wissen, dass die beiden große Gesichter vor mir meine Mama und mein Papa waren? Nicht gut, befand ich. Und das habe ich denen allen auch gesagt. Ich wurde ein bisschen sauber gemacht (das haben die gesagt. Ich fand die Käseschmiere vollkommen in Ordnung. Schließlich wollte ich noch gar nicht raus!) und abgesaugt (Brrrr), und dann wurde es endlich ein bisschen besser, denn dann hat mich jemand dick eingemummelt Papa in den Arm gelegt. Und der hat mich ganz nah an Mamas Kopf herangehalten. Und als Mama dann ganz leise mit mir gesprochen hat, da hatte ich dann nicht mehr so viel Angst - die Stimme kannte ich, auch wenn sie sich ein bisschen anders anhörte als sonst.

Aber schon war Mama wieder weg - oder vielmehr ich: OPs sind viel zu kalt für so zarte kleine Wesen wie mich. Das fanden auch die Ärzte, und Papa sowieso. Wir beiden sind dann schonmal mit der Hebamme hochgegangen in den Kreissaal. Das war wieder nicht so prickelnd: Weit weg von Mama, wieder entblättert, weil man mich "anziehen" wollte, dann diese Tests und auch noch eine Hebamme, die mich wegen meiner schmalen Fesseln noch nicht für reif genug hielt. Dabei bin ich einfach so grazil! Papa hat dann das ganze Kinderzimmer genervt, weil er immer wieder nachfragte, warum das bei Mama da unten denn so lange dauert - klar hätte ich schonmal ein Schlückchen vertragen können. Papa hat die alle so lange genervt, bis Mama nach nur 20 Minuten aus dem Aufwachraum nach oben gebracht wurde. Und gemeinsam haben Papa und ich sie vor unserem Zimmer empfangen, und ich kann Euch gar nicht sagen, wie erleichtert die beiden da waren.

Das war aber auch erstmal das letzte, was ich mitbekommen habe, denn die ganze Aufregung hat mich doch ziemlich müde gemacht. So müde, dass ich nicht mal mehr etwas trinken wollte (das habe ich natürlich später nachgeholt). Neben Mama bin ich dann gleich eingeschlafen und habe mir auch nichts mehr weiter daraus gemacht, dass Mama und Papa mich immer so erstaunt angeguckt haben. War doch klar, dass ich ihnen gefalle, was haben die denn gedacht?

 

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