meine geburt

gedicht

 

 

die sache mit meiner geburt habe ich ziemlich spannend gemacht - dass es letztlich aber doch sehr heikel wurde und wir alle zum glück eine ganze horde wohltrainierter schutzengel an unserer seite hatten, konnte vorher aber keiner wissen...

wenige wochen vor meiner geburt schwankten meine eltern noch, wo ich auf die welt kommen sollte: im krankenhaus, oder doch, wie das ja bei meiner großen schwester schon geplant war, im geburtshaus? als mama dann mit mir mal wieder bei unserer frauenärztin war, schien alles klar, denn ich schelm hatte mich gedreht und streckte dem ausgang meinen kleinen popo entgegen. also, wie die ärztin sagte, geplanter kaiserschnitt drei wochen vor dem errechneten termin? oder das abenteuer einer äußeren wendung? bei dieser aussicht lies ich mich von papas gemurmel durch meinen bauch leicht überzeugen, mich doch wieder in eine erfolgversprechende startposition zu bringen, und meine eltern entschieden sich: im frankfurter geburtshaus sollte ich auf die welt kommen.

das ist meine lebensretterin kristina nadja war die ganze zeit bei uns simone kam als zweite geburtshaus-hebamme später dazu
das sind die drei hebammen des geburtshauses, die mir auf den weg geholfen haben. von links: kristina, nadja und simone.

in der nacht vom 25. auf den 26. april wurde es mir langsam unbequem. wehen. und ich spürte: so ganz kalt lies meine mama das auch nicht. die hatte sich zwar schon mit dem gedanken auseinandergesetzt, dass es bald losgehen könnte, aber insgesamt war ihr das alles, wohl auch angesichts des auftritts meiner schwester nayeli gut 23 monate vorher, mehr als mulmig.
nun, papa blieb am 26. von der arbeit zuhause, und die wehen wurden wieder weniger und seltener. trotzdem fuhren mama, papa und nayeli mit mir am späten nachmittag ins geburtshaus zu meiner hebamme kristina kruse, um mal zu gucken, wie's so aussieht. man muss dazu sagen, dass kristina am samstag, dem 28. april, an meinem errechneten geburtstermin also, in urlaub fahren wollte, mama und papa sie aber sehr gern dabei gehabt hätten, wenn ich auf die welt komme, denn sie kannten kristina schon von der schwangerschaft und geburt nayelis her und hatten großes vertrauen zu ihr.
nun, kristina untersuchte mama, horchte nach meinem herzchen und sagte, wir sollten jetzt mal heimfahren, nayeli ins bett bringen, oma und opa zum babysitten holen und dann wieder mit gepackter tasche ins geburtshaus fahren.

die wehen wurden gegen abend auch heftiger und regelmäßiger, und so fuhren mama und papa schon eine halbe stunde früherals geplant wieder ins geburtshaus. um kurz vor 22 uhr waren wir da. dort erwarteten uns schon kristina und nadja im kleinen geburtszimmer, das von kerzen erleuchtet war. mama und papa hatten das gefühl, hier genau richtig zu sein und mir hier zusammen mit kristina und nadja gut auf die welt helfen zu können. dazu ging mama erstmal in die wanne. das war angenehm warm; noch unterhielten sich alle vier über mich und meinen namen und über allerlei, aber schon bald wurden die wehen heftiger, und mama war nicht mehr nach viel reden. sie wechselte immer wieder die position, lies sich den rücken massieren und konzentrierte sich auf die wehen.

dass ihre lust schon bald nachlies, half ihr nichts: sie wusste ja, dass das, was jetzt kommen sollte, unumgänglich war. aber sie war von der nacht zuvor noch so müde und fühlte sich so schlapp, dass sie mit der zeit ganz ruhig wurde und die wehen so gut es ging veratmete. die wehen waren irgendwann dann nur noch verhältnismäßig kurz und wurden seltener, und kristina und nadja machten sich schon etwas sorgen, wie es wohl weitergehen sollte. es war kurz vor drei uhr, als sie nach akupunktur, aromatherapie und homöopathie mal wieder nachschauten - und wider erwarten war mamas muttermund komplett offen! alles, was mich noch am herauskommen hinderte, war die fruchtblase.
als kristina das mama und papa sagte und dazufügte, sie würde nun kontrolliert die fruchtblase zum platzen bringen, und dann hätten wir alle es sehr bald geschafft, fragte mama nur, wie lang das denn nun noch dauern solle, während papa schon jubilierte, dass ich die erste in dieser familie (er meinte meine tante ute, mama und nayeli, meine cousine maya, vielleicht auch meine älteste schwester josephine) sein würde, die nicht per kaiserschnitt auf die welt geholt werden müsse.
kristina brachte die fruchtblase zum platzen, ich rutschte ein bisschen vor, und kristina stellte zu ihrem eigenen entsetzen, das sie sich jedoch keine sekunde anmerken lies, fest, dass wir nun doch in die klinik fahren müssten, und zwar rasch, denn sie spürte neben meinem köpfchen die pulsierende nabelschnur - nabelschnurvorfall nennt man das im fachjargon - und wenn ich mich in den presswehen, die nun hätten folgen sollen, nach draußen geschoben hätte, dann hätte ich mir selbst die lebensnotwendige versorgung durch die nabelschnur abgeklemmt...

mama bekam ein wehenhemmendes mittel in den mund gesprüht, nadja telefonierte einen notarzt und einen rettungswagen herbei (wobei sich beide aber viel zeit ließen und nadja noch ein zweites mal anrufen musste, damit schließlich nach etwa einer halben stunden endlich jemand kam) und informierte das team im kreissaal des bürgerhospitals und kristina hielt mein köpfchen zurück. und das tat sie die ganze zeit, bis wir im kreissaal ankamen, wo zwischenzeitlich ein notkaiserschnitt vorbereitet wurde. alle waren sehr aufgeregt, nur ich blieb cool - ich wusste mich ja auch buchstäblich in den besten händen.

nach einer blaulichtfahrt (papa musste den sanis den weg erklären) im bürgerhospital angekommen wartete schon die ganze mannschaft auf mich - verzeihung, auf uns. ruckzuck wurde ein kleiner raum im kreissaal komplett leergeräumt, aber es kamen so viele leute und geräte wieder hinein, dass das team dann doch noch zur hälfte auf dem gang stand, und von dort aus sahen dann papa, kristina und nadja zu, wie mama ganz schnell op-fertig gemacht und in einen traumlosen schlaf geschickt wurde. dass sie den ernst der lage genausowenig wie papa erkannt hatte, wurde allen deutlich, als sie den oberarzt noch um einen hübschen schnitt bat...

na, und dann kam ich. also vielmehr hat der herr baase mich um 4.10 uhr gepackt und rausgeholt, und das fand ich absolut nicht in ordnung so, ich hatte schon das gefühl, dass das eigentlich anders gehen muss. jedenfalls haben alle erzählt, dass ich noch mit den beinchen in mamas bauch steckte, als ich schon anfing lauthals zu protestieren. allen fiel ein stein vom herzen - vor allem kristina und nadja, denn die wussten, wie so ein nabelschnurvorfall üblicherweise ausgeht.
die hebamme, die mich in empfang nahm, stellte einen apgar-wert von zunächst 9, dann zweimal von 10 fest, sie fanden mich also alle ziemlich okay. ich hatte aber zwischenzeitlich von dem ganzen stress ordentlich hunger bekommen und das auch lauthals mitgeteilt. mama muss das irgendwie gehört haben, obwohl sie noch in narkose war. zumindest hat papa später erzählt, dass sie noch schlafend ihre brust für mich ausgepackt hat, und aufgewacht ist sie erst, als ich so ziemlich satt war.

 

 

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